Machuca, mein Freund [DVD] – Review – DVD-PALACE ® Home Entertainment

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Ein Review von Michael Holland

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Einfühlsam erzählt MACHUCA, MEIN FREUND die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft: Gonzalo und Machuca, zwei Jugendliche im Chile der frühen 70er Jahre, werden trotz ihrer Herkunft aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen zu besten Freunden. Die Folgen der politischen Veränderungen, die sich bedrohlich ankündigen, können die beiden nur erahnen und schon bald wird ihre Freundschaft durch die aufkommenden Unruhen auf eine harte Probe gestellt…


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Im Handel ab: 19.10.2005
Anbieter: Sunfilm Entertainment
Originaltitel: Machuca
Genre(s): Drama
Regie: Andrés Wood
Darsteller: Matías Quer, Ariel Mateluna, Manuela Martelli, Ernesto Malbran, Aline Küppenheim, Federico Luppi, Francisco Reyes, Luis Dubó, Tamara Acosta, Maria Olga Matte, Gabriela Medina, Tiago Correa, Alejandro Trejo, Andrea García-Huidobro, Pablo Krögh, María Izquierdo, Sebastian Trautmann, Kevin Krisciunas
FSK: 12
Laufzeit: ca. 116 min
Audio: Deutsch: Dolby Digital 5.1 Deutsch: Dolby Digital 2.0 Stereo Spanisch: Dolby Digital 5.1 Spanisch: Dolby Digital 2.0 Stereo
Bildformat: 16:9 (1.85:1) anamorph
Medien-Typ: 1 x DVD-9
Regionalcode: 2
Verpackung: Amaray Case
Untertitel: Deutsch, Französisch,
Extras/Ausstattung:
  • Kinotrailer
  • Trailer von anderen Filmen
  • Kapitel- / Szenenanwahl
  • Making Of
  • Animiertes Menü
  • Menü mit Soundeffekten
  • Interview mit dem Regisseur
  • Bio- und Filmografie des Regisseurs
Zusatzinfos:
  • Kinostart: 31.03.2005
  • Infos zum Film bei der OFDb

    Infos zum Film bei der IMDb

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revimg_bild-7338839 Um dem nostalgisch-dokumentarischen Charakter von MACHUCA, MEIN FREUND gerecht zu werden, ist das Bild meist in gedämpfte Farben getaucht und zudem immer etwas grobkörnig. Verstärkt wird dies noch durch manchmal auf Hintergründen auftretendes Rauschen; teils sichtbare stehende Muster weisen auf Anwendung eines Filters hin. Ein solcher würde außerdem die gerade mal angenehme Schärfe erklären, welche zwar in Sachen Plastizität durchaus überzeugt, bei der Kantenabbildung und Darstellung von Details allerdings deutliche Schwächen zeigt. Auch der allgemein recht dunkle Kontrast dürfte wesentlich besser sein, zumal er oft Einzelheiten verschluckt beziehungsweise helle Flächen hin und wieder zum sanften Überstrahlen bringt. Dafür kann man am Schwarzwert keine Kritik üben. Zwei oder drei Dropouts stören ebenfalls nicht, doch die häufig deutlich auszumachenden Nachzieheffekte wären schon verzichtbar. Letztlich unterstützt die trostlose Optik zwar hervorragend das Sujet, liegt aber trotzdem nur knapp über dem Durchschnitt.

6von10-2747910  6 von 10 Punkten

revimg_ton-5241646 Ähnliches gilt für den deutschen Dolby Digital 5.1-Track: Natürlich hat er genregemäß nicht gerade viele Möglichkeiten, aus dem Vollen zu schöpfen, dennoch ist seine Frontlastigkeit so auffällig wie schade. Lediglich einige kleinere Effekte oder Score-Einlagen beanspruchen die hinteren Lautsprecher. Zudem wirkt hier die Umgebungsambienz allgemein irgendwie beschnitten und gedrückt. Gleiches gilt für Dialoge, welche allerdings immerhin sehr realistisch klingen. Das spanische Original in Dolby Digital 5.1 hinterlässt dagegen generell einen etwas helleren und vor allem reicheren Eindruck. Bezüglich der ebenfalls enthaltenen Stereo-Pendants sei gesagt, dass diese kurioserweise mehr Druck sowie eine vordergründigere Geräuschkulisse bieten. Dafür heben sich Stimmen ziemlich dumpf und manchmal hallend vom Rest des Geschehens ab, was wiederum arg stört. Insgesamt überzeugt der spanische Mehrkanalton noch am meisten und hievt die Wertung gerade so über das Mittelmaß, obwohl er weit davon entfernt ist, als Referenz zu gelten.

6von10-2747910  6 von 10 Punkten

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Wie es mittlerweile Standard ist, präsentiert sich die Hauptauswahl animiert sowie soundunterlegt; abgesehen von der Kapitelübersicht bleiben alle anderen Menüs aber leider stumm und starr. Unter dem Punkt “Extras” kann dann zunächst eine Trailershow mit sechs ziemlich unterschiedlichen Titeln aus dem Sunfilm-Programm angewählt werden, gekrönt vom MACHUCA-Trailer in Deutsch und Spanisch.

Mit dem Regisseur des Werkes, Andrés Wood, beschäftigen sich die nachfolgenden Boni: Neben seiner Bio- und Filmografie erfährt man einiges über Woods Intentionen, diesen Film zu drehen (insgesamt fünf Texttafeln). Tiefer gehende Informationen, vor allem auch zum geschichtlichen Hintergrund, birgt ein Interview (6:34). Schlussendlich berichtet das 18minütige Making Of so informativ wie werbefrei, teils jedoch deutlich zu Behind the Scenes-lastig, über den Entstehungsprozess. Deutsche Untertitel stehen – analog zum Hauptfilm, welcher sie darüber hinaus in Französisch beinhaltet – zur Verfügung.

Alles in allem wenig Masse, aber schon ziemlich viel Klasse; entsprechend bleiben noch knappe vier Punkte.

4von10-6870334  4 von 10 Punkten

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Technisches Fazit:  6von10-2747910  6 von 10 Punkten

Wie alle ähnlichen politischen Extremsituationen, wirkten sich auch die Umbrüche in Chile vor allem auf die Bevölkerung und natürlich speziell die Kinder aus. Plötzlich war es wichtig, mit wem Freundschaft geschlossen wurde, wo jemand wohnte, welcher Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie Eltern angehörten – und ob sie die finanziellen Mittel besaßen, auf dem Schwarzmarkt Waren zu erwerben. Simple Dinge wie Kondensmilch arrangierten zu Luxusgütern und entschieden über persönliche (erkaufte) Zuneigung. All das ist aus der Weltgeschichte hinlänglich bekannt und darum sicherlich nicht unbedingt geeignet, in Filmform neue Ansätze zu erfahren. Vielleicht hat Regisseur Andrés Wood dies erkannt – auf jeden Fall ging es ihm offensichtlich nicht primär darum, ein korrektes historisches Abbild der damaligen Vorkommnisse zu drehen oder schlimmstenfalls dem Publikum seine individuelle Meinung zu präsentieren. Nein, er sagt vielmehr: “Kinder nehmen die Welt wahr, ohne das was geschieht zu werten oder einordnen zu können.” Somit rückt Chiles Geschichte, trotz natürlich stets vorhandener Präsenz, in den Hintergrund. Wood beschränkt sich großteils auf Beobachtungen und nimmt, umrahmt von einem eher ruhigen Erzählfluss, die Position der kleinen Hauptfiguren ein. Er fokussiert auf ihre Sorgen und Probleme: Aus Generationskonflikten erwachsende Rebellion gegen die Eltern findet darin ebenso Platz wie die ganz alltägliche Grausamkeit Heranwachsender oder infantile Vorurteile. Getragen wird dieser universelle Plot vom berührend-authentischen Spiel der jungen Darsteller. Letztlich gelingt es MACHUCA also, auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen zu funktionieren, da sich diese fast organisch zum Gesamtkunstwerk über eine Kindheit in Moll fügen, dessen Protagonisten viel zu früh erwachsen werden und zeitig lernen müssen, dass Abschiede ebenso zum Leben gehören wie der – oft auch unter unnatürlichen Umständen eintretende beziehungsweise gar gewaltsame – Tod. Bitterer Realismus fernab jeder billigen Sentimentalität, beeindruckende Leidenschaft, tief verstörende Rohheit und genau beobachtete Details jederzeit inklusive. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen und, als einzigen Kritikpunkt, manche Sperrigkeit in Kauf zu nehmen, erfährt seine Belohnung in Form eines großen kleinen Films von streckenweise atemberaubender Intensität. Die deutsche DVD-Umsetzung beinhaltet technisch zwar noch einiges ungenutztes Potenzial, wartet jedoch immerhin mit einigen interessanten Boni auf und erhält deshalb – natürlich auch aus Mangel an Alternativen – eine Empfehlung.

Subjektive Filmwertung: 8 von 10 Freundschaften gegen jede Regel