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 3429  Review zu: Testamento 03.02.2005

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Ein Review von Michael Holland



Testamento:
Dieser emotionale und bewegende Film zeichnet anhand des ruhelosen Lebens des guatemaltekischen Rechtsanwalts Alfonso Bauer Paíz die Stationen der linken lateinamerikanischen Geschichte nach. Er war als junger Mann Minister im Guatemala des legendären Präsidenten Guzman, wohnte mit Ché in Mexiko zusammen, arbeitete in der Regierung Allende und in der Fidel Castros, bevor er in seiner Heimat im Untergrund militanten Widerstand leistete und heute, 83jährig, linker Abgeordneter des Parlaments von Guatemala ist. Der Film zeichnet das Vermächtnis eines außergewöhnlichen Mannes und bringt Geschichte und Gegenwart Lateinamerikas zum Atmen. "Dieser Film gleicht so sehr dem Leben, dass er in seinem Betrachter weiterlebt." (Eduardo Galeano, uruguayischer Schriftsteller)

Die Zivilisationsbringer:
In Guatemala gibt es seit 150 Jahren eine kleine, aber einflussreiche Deutsche Gemeinde. Ihr Erfolg beginnt mit dem Kaffeeboom und ist bis heute nahezu ungebrochen. Wer damals Deutschland verlässt, geht mit dem Selbstverständnis des Herrenmenschen. Überzeugt davon, einer höheren Kultur anzugehören, zwingen sie Guatemala ihr Zivilisationsmodell auf. Schon nach wenigen Jahren besitzen sie die fruchtbarsten Ländereien, nahezu die gesamte Infrastruktur und das Handelsmonopol. An den Kaffeepatronen vorbei gleitet der Blick in den Hintergrund. Indígenas pflücken den Kaffee, sortieren Kardamom und ertragen sogar die tätschelnde Hand auf dem Kopf. Seit der Eroberung sind sie Fremde im eigenen Land. In den dreißiger Jahren propagiert die Deutsche Kolonie den Faschismus. Doch mit dem Kriegseintritt der USA verschwinden die Hakenkreuze, die deutschen Güter werden enteignet und die deutschen Männer interniert. Die Strukturen der Deutschen Gemeinde überleben jedoch diesen Einbruch. Doch im Land der ewigen Diktaturen herrscht Krieg. Die Indígenas wehren sich gegen Landraub, Verachtung und Völkermord. Guatemala avanciert zum ersten Labor Lateinamerikas für den Schmutzigen Krieg. Hunderttausende fallen der "Politik der verbrannten Erde" zum Opfer. Nach Beendigung des Bürgerkriegs führten die Autoren den Film unter widrigen Bedingungen in Guatemala auf. Nach Boykottandrohungen konnten die Vorführungen teilweise nur unter UNO-Aufsicht stattfinden und entfachten hitzige Debatten. Die Vorführungen werden in dem Film »Die Abenteuer einer Katze. Notizen einer Projektion in Nachkriegszeiten« dokumentiert.

Cover Testamento




Im Handel ab:27.01.2005
Anbieter: Neue Visionen Filmverleih
Originaltitel:Testamento / Die Zivilisationsbringer
Genre(s): Dokumentation
Regie:Uli Stelzner, Thomas Walther
FSK:6
Laufzeit:ca. 225 min
Audio:Testamento:
Spanisch: Dolby Digital 2.0 Stereo
Die Zivilisationsbringer:
Deutsch: Dolby Digital 1.0 Mono
Bildformat:Testamento:
4:3 Vollbild (1.33:1)
Die Zivilisationsbringer:
4:3 Vollbild (1.33:1)
Medien-Typ:2 x DVD-9
Regionalcode:0
Verpackung:Doppel Amaray Case
Untertitel: Deutsch, Englisch,
Extras/Ausstattung:
  • Kapitel- / Szenenanwahl
  • Animiertes Menü
Zusatzinfos: Infos zum Film bei der OFDb
Infos zum Film bei der IMDb
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TESTAMENTO

Wie es bei Dokumentationen meistens der Fall ist, unterliegt die Bildqualität heftigen Schwankungen. War die eben gesehene Szene noch extrem grobkörnig und verrauscht, kommt die nächste in völliger Laufruhe und mit nahezu perfekter Schärfe daher. Manchmal überstrahlt der Kontrast störend, dann zeigt er sich wieder passend und dezent. Eine überdeutlich flimmernde Sequenz und manchmal auftretendes Aliasing stehen vielen anderen Filmabschnitten gegenüber, an denen es quasi rein gar nichts zu bemängeln gibt. Summa summarum macht dies unter Berücksichtigung der Umstände knappe sieben Punkte.


DIE ZIVILISATIONSBRINGER

Ähnlich indifferent, insgesamt jedoch ein klein wenig schlechter zeigt sich die Optik in diesem Fall: Manchmal rauscht es ganz gewaltig, Augenblicke später ist die exzellente Ruhe des Bildes positiv zu vermerken, muss dafür aber mit leichten stehenden Rauschmustern erkauft werden. Sonstige Artefakte und Schmutz fehlen wiederum, auch der Kontrast gibt über große Strecken keinen Grund zur Klage - gleiches gilt für die oft satten, angenehmen Farben. Allerdings verzeichnet die Schärfe stark schwankende Werte und pendelt immer zwischen "hervorragend" und "ziemlich verwaschen". Letztlich reicht es dennoch zu immerhin sechs Punkten.

Bewertung  7 von 10 Punkten




TESTAMENTO

Auch der Sound (Spanisch in Dolby Digital 2.0) unterliegt den Gegebenheiten: Aus Interviews tonale Highlights zu zaubern, ist noch niemandem geglückt. Angenehm ist allerdings, dass die ständig präsenten Umgebungsgeräusche – wie fahrende Autos oder zwitschernde Vögel – ein recht lebendiges frontales Klangbild erschaffen, wohingegen sich der Score nur höchst selten überhaupt zu Wort meldet. Wenn er es tut, wird den Ohren dafür jedoch sogar ein Hauch von Bass geboten. Mehr war zwar nun wirklich nicht machbar, bei objektiver Betrachtung rechtfertigt all das aber trotzdem nur vier Punkte.


DIE ZIVILISATIONSBRINGER

Im direkten Vergleich stellt der Sound ebenfalls einen Rückschritt zum oben bewerteten Film dar, was einerseits am teilweise argen Nervfaktor des Sprechers liegt. Dem Mann an sich kann man keinen Vorwurf machen, dass seine Stimme aber einfach über die Originale gelegt wurde, ist nur eine halbwegs überzeugende Lösung. Hinzu kommen manchmal Verständlichkeitsprobleme durch sehr dumpf klingende (deutsche) Aussagen von Befragten. Und zu allem Überfluss gilt auch hier: Der Score hält sich schüchtern im Hintergrund, womit Räumlichkeit fast niemals entsteht, zumal es an Umgebungsgeräuschen mangelt. Insgesamt ein zweckmäßiger Sound, der allerdings bei weitem nicht überzeugt und lediglich magere drei Punkte bringt.

Bewertung  4 von 10 Punkten




TESTAMENTO

Boni sucht man vergebens, was insofern wenig verwundert, dass bloß schwer vorstellbar ist, was sich hier als Extra angeboten hätte. Natürlich können aber wahlweise Untertitel zum Hauptfilm ausgewählt werden – sogar in deutsch und englisch.


DIE ZIVILISATIONSBRINGER

...präsentieren sich sogar noch ein Stück schlechter ausgestattet, da diesmal sogar auf Untertitelung verzichtet wurde. Eine schwache Leistung!

Bewertung  1 von 10 Punkten





Technisches Fazit:  Bewertung  5 von 10 Punkten


TESTAMENTO

Die hier am Werk gewesenen Filmemacher haben zum Glück verstanden, dass eine wirklich gute Dokumentation nicht von der reinen Abbildung lebt, sondern von ihrer Vielfältigkeit und dem Polarisations-Potenzial. So zeigen sie Paíz trotz all seiner Leistungen und dem ihm dafür gezollten Respekt grundsätzlich nicht als strahlenden Helden, sondern porträtieren vielmehr einen Mann, der an etwas glaubt – und alles dafür tut. Nebenbei wird er zum Schwimmen begleitet oder mittels Familienfotos der ehrfürchtige Kokon aufgebrochen, um den Menschen hinter dem Mythos zu zeigen. In zweiter Linie funktioniert das Gezeigte hervorragend als faszinierender historischer Abriss und Darstellung der Geschichte eines Landes. Aus den Archiven gewühlte Aufnahmen, persönliche Erinnerungen und Anekdoten lassen ein lebendiges Bild der Ereignisse entstehen.

Aber nicht zuletzt ist TESTAMENTO auf Drittebene das entlarvende Drama eines Idealisten, der sich so in seine Ziele verrannte, dass er darüber alles andere vergaß. Immer wieder kommen Paíz’ Kinder zu Wort, die ihm kein sonderlich positives Zeugnis ausstellen, von Misstrauen, innerfamiliärem Schweigen und wenig Freude berichten. Einmal fällt der Satz: „Wer hätte ahnen können, dass die Ideale meines Vaters so viel Schmerz mit sich bringen würden?“ In solchen Augenblicken wird Paíz endgültig entzaubert - es kommt die Tragödie des Ehemannes und Vaters Alfonso zum Vorschein, der sich für fremde Menschen aufopferte und so die ihm am nächsten Stehenden ständig aufs Neue verletzte. Obwohl seine Kinder trotzdem keinen Groll hegen, sondern stolz darauf sind, dass sich Paíz immer selbst treu blieb, erhebt gerade dieser bittere emotionale Hintergrund TESTAMENTO in den Olymp der ganz großen Dokumentationen.


DIE ZIVILISATIONSBRINGER

Man weiß beim Schauen dieses Filmes nicht so genau, was jetzt eigentlich einen schaleren Nachgeschmack hinterlässt: Dass die Fincas Namen wie "Bremen" tragen? Vielleicht der Mann, welcher die Einwanderer als "aufrechte Burschen" lobt? Oder doch das ganz zu Anfang stattfindende Fest - deutsche Spezialitäten, Grillwürstchen & Co., offensichtlich mit sich selbst überaus zufriedenen Rentnern und Geschäftsleuten von demütigen Einheimischen gereicht, dazu im Hintergrund die deutsche Nationalhymne? Wahrscheinlich haben sich die Regisseure etwas Ähnliches gefragt und unterlegen ihr Werk zu Beginn mit einem Kurzkommentar, der vor intelligenter Ironie strotzt. Natürlich wäre es einfach, sie als Nestbeschmutzer zu beschimpfen und mit aller Vaterlandsliebe inbrünstig gegen diesen Film zu wettern. Wer das tut, dürfte indes zwei taube Ohren haben und sogar auf den Hühneraugen blind sein.

Hier geht es nicht darum, billige Polemik zu betreiben oder eine "richtige" Meinung zu vertreten; vielmehr entlarven sich die Nachkommen der Einwanderer in ihrer Selbstgefälligkeit ganz ohne externe Hilfe. Dass sie Deutsche sind, ist eigentlich ein unwichtiges Detail - es stellt sich die allgemeine Frage nach Moral und Wertvorstellungen. Wo endet die Zivilisierung eines Landes, wann beginnt die Okkupation? Wer ein Faible für politische und philosophische Grundsatzbetrachtungen hat, sollte DIE ZIVILISATIONSBRINGER nicht versäumen.

Im großen Fazit also zwei ebenso ungewöhnliche und fordernde wie faszinierende Filme, denen sogar eine für Genre-Verhältnisse gute Präsentation auf DVD vergönnt wurde. Nur in Sachen Extras verärgert die gebotene gähnende Leere.






© DVD-Palace Home Entertainment




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