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 4685  Review zu: Priscilla - Königin der Wüste 30.06.2005
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Ein Review von Michael Holland



Von Sydney haben die Travestiekünstler Tick alias Mitzi und Adam alias Felicia die gepuderten Näschen voll. In Alice Springs winkt ein vielversprechendes Engage-ment. Dazwischen liegt die australische Wüste, die Tick/Mitzi und Adam/Felicia mit einem klapprigen, bonbonfarbenen Bus namens „Priscilla“ durchqueren wollen. Mit ihnen reist die von einer unglücklichen Liebesgeschichte gebeutelte, transsexuelle Bernadette. Auf ihrem schrillen Wüstentrip begegnen die drei Paradiesvögel knarzi-gen Hinterwäldlern, die ihre Vorurteile trotz gemeinsamer Saufgelage nicht ablegen, australischen Ureinwohnern mit heimlicher Schwäche für ABBA – und ihren eigenen Macken, Schwächen und Träumen.

Cover Priscilla - Königin der Wüste
Cover vergrößern




Im Handel ab:14.06.2005
Anbieter: 20th Century Fox Home Entertainment / MGM Home Entertainment
Originaltitel:The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert
Genre(s): Komödie
Regie:Stephan Elliott
Darsteller:Terence Stamp, Hugo Weaving, Guy Pearce, Bill Hunter, Rebel Russell, John Casey, June Marie Bennett, Murray Davies, Frank Cornelius, Bob Boyce, Leighton Picken, Maria Kmet, Joseph Kmet, Alan Dargin, Julia Cortez
FSK:16
Laufzeit:ca. 99 min
Audio:Deutsch: Dolby Digital 5.1
Englisch: Dolby Digital 5.1
Französisch: Dolby Digital 5.1
Bildformat:16:9 (2.35:1) anamorph
Medien-Typ:1 x DVD-9
Regionalcode:2
Verpackung:Amaray Case
Untertitel: Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte, Englische Untertitel für Hörgeschädigte, Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Norwegisch, Holländisch, Französisch,
Extras/Ausstattung:
  • Kinotrailer
  • Kapitel- / Szenenanwahl
  • Making Of
  • Gelöschte Szenen
  • Interaktives Menü: „Leckerbissen vom Set“
  • Gag Reel: „Bus verpatzt“
  • Audiokommentar von Regisseur Stephan Elliott
  • Teaser
Zusatzinfos: Infos zum Film bei der OFDb
Infos zum Film bei der IMDb


Glitzer, Glamour, Rouge und wallende Kostüme - bei einem Film wie diesem ist eine korrekte Farbwiedergabe unwahrscheinlich wichtig. Tatsächlich gelingt sie ausnehmend gut und bewegt sich in entsprechenden Sequenzen immer innerhalb eines gewollt übertriebenen Rahmens, ohne ihn jemals zu verlassen. Für Szenen ohne Fummel wurden dagegen stets sehr natürliche Töne gewählt, was ebenfalls rundum überzeugt.

Auch sonst kann man bloß verhalten meckern: Zwar wirkt das Bild teilweise etwas zu hell, was sich negativ auf den Schwarzwert auswirkt; manchmal ist der Kontrast dann wieder so steil gewählt, dass leichtes Überstrahlen weißer Elemente und Verschlucken dunkler Passagen auftreten. Doch grundsätzlich geht er meist ganz in Ordnung. Schön - und bei einem Film aus dem Jahre 1994 eben keine unbedingte Selbstverständlichkeit - ist zudem das Fehlen von Verschmutzungen, Kratzern oder Defekten. Noch besser: Sonstige Artefakte haben (abgesehen von minimalem Aliasing nebst Kantenflimmern) gleichfalls keinen Weg auf die DVD gefunden. Sogar Rauschen beschränkt sich ganz dezent auf Hintergründe, was allerdings wohl mittels Filter erreicht wurde, worunter die Schärfe leidet. Obwohl sie niemals als schlecht bezeichnet werden muss, sondern im Gegenteil meist wirklich angenehme Werte verzeichnet, wäre hier gerade bei Totalen mehr möglich und wünschenswert gewesen.

So schrecklich all das in der Aufzählung klingt, so wenig stört es allerdings letzten Endes ernsthaft. Darum gibt es für die Optik noch knappe sieben Punkte.

Bewertung  7 von 10 Punkten




Wer sich für die deutsche Synchronisation in Dolby Digital 5.1 entscheidet, stellt schnell fest, dass es sich dabei um einen Upmix handelt. Was zwar generell nicht übermäßig schlimm ist, aber leider schnell den großen Pferdefuß offenbart: Dialogschwankungen nämlich. Manchmal kommen die Stimmen eben auch recht klar aus den Rears, dann werden rückwärtig wieder bloß einzelne Satzfetzen deutlich wiedergegeben. Zum Glück fällt das bloß auf, wenn man wirklich genau darauf achtet; grundsätzlich konzentriert sich die Sprachwiedergabe nämlich tatsächlich auf den Center und - wesentlich leiser - die Front.

Nichtsdestotrotz hinterlässt die Verlagerung des akustischen Geschehens auf alle Lautsprecher einen zwiespältigen Eindruck. In Szenen mit reicher Geräuschkulisse (wie zum Beispiel in Kneipen oder der Wüste) funktioniert sie gut und schafft angenehme Räumlichkeit. Es stört jedoch gewaltig, einzelne Effekte von allen Seiten gleichzeitig zu hören. Erschwerend kommt hinzu, dass alles oft etwas "fad" und zurückgenommen wirkt. Wenn die Protagonisten allerdings mal wieder einen Auftritt hinter sich bringen, zeigt der Sound, was in ihm steckt: Kräftig, verhältnismäßig differenziert und sogar mit Ansätzen von Bass bringt er Disco-Feeling ins heimische Wohnzimmer.

Überraschenderweise können ausgerechnet die eben genannten Einlagen im englischen Original kaum überzeugen, da sie fürchterlich blechern klingen. Ansonsten sei dennoch dieser Track empfohlen, da er in "echtem" DD 5.1 codiert wurde, sich somit Effekte oder Geräusche viel besser auflösen und jederzeit klar geortet werden können. Größerer tonaler Realismus und beeindruckende Lebendigkeit sind die positiven Folgen dessen. Hervorragend zudem die Verständlichkeit der Dialoge, welche zwar niemals ihre Position verändern, aber immer in toller Qualität aus dem Center erschallen.

Zur Wahl steht abschließend noch eine - in Sachen Stimmenabbildung etwas leise geratene - französische Spur. Sie leidet als Upmix aber unter den gleichen Problemen wie die deutsche Fassung.

Schlussendlich ein Hinweis: Die überall auftretende minimale Schwankung in Ce Ce Penistons "Finally" (1:18:37) ist zwar schade, aber offensichtlich einem Fehler im Master geschuldet und als einsamer Ausrutscher natürlich ohne Einfluss auf die Wertung, welche es im Mittelwert (Deutsch: 5, Englisch: 7, Französisch: 5) auf sechs Punkte schafft.

Bewertung  6 von 10 Punkten




Dass PRISCILLA nach nunmehr elf langen Jahren endlich auch auf DVD zu erleben ist, wird den geneigten Fan in Freude versetzen. Zur Euphorie könnte sich diese allerdings angesichts des umfangreichen und offensichtlich bedachtvoll zusammengestellten Bonusmaterials steigern...

Los geht's neben einem animierten und soundunterlegten Hauptmenü mit dem obligatorischen Trailer, welchem der hier als "Vorgeschmack-Trailer" bezeichnete Teaser folgt. Letzterer ist ein echter Brüller und unbedingt sehenswert!

Auf dem Fuß folgen dann vier Deleted Scenes mit erklärenden Texttafeln und einer Gesamtlänge von reichlichen sechs Minuten. Abgesehen von einigen nicht uninteressanten Erweiterungen, lohnt dieses Feature allein schon wegen mancher erheiternder Drehbuchzeile ("Ich konnte kein Salz finden, um es in die Wunden zu reiben. Wir werden Eis nehmen." - "Fall tot um.") ebenfalls jeden Blick.

Weitere neun Minuten sollte man für "Bus verpatzt" einplanen, eine nicht übermäßig komische, aber ganz unterhaltsame Collage aus Outtakes, Späßchen der Darsteller und Pannen beim Dreh. Anschließend harrt das Feature "Eine Queen wird geboren" (28:07) der Entdeckung. Dort berichtet Regisseur Stephan Elliott, von wenigen Ausschnitten unterstützt, rückblickend über die Entstehung seines Werkes. Ob Splatterfilme im Kindesalter, PRISCILLAS Finanzierung, die Magie von Terence Stamps Augen, Probleme beim Casting, Transen-Training (inklusive Stützrädern am Stöckelschuh) oder Rabatte beim Kostümkauf: Hier werden im Stakkato so viele Informationen übermittelt, dass die Zeit rasend schnell vergeht, zumal Elliott immer nette Anekdoten einflicht. So durfte zum Beispiel Guy Pearce erst vorsprechen, als die Kostümdesigner das nicht von der Hand zu weisende Argument "Du hast schon Hugo und Terence, du brauchst auch etwas Hübsches im Bild" brachten...

Womit wir aber noch nicht am Ende wären, denn nach Anwahl des Punktes "Leckerbissen vom Set" warten Interviews mit fünf Beteiligten, welche auf Grund einer Länge von insgesamt gerade mal drei Minuten allerdings nicht eben aussagekräftig sind. Wesentlich mehr Hintergrundwissen vermittelt der launige Audiokommentar des Regisseurs. Dieser lässt, obwohl er sich manchmal mit "Eine Queen wird geboren" überschneidet, kein Auge trocken und keine Frage unbeantwortet.

Mit Ausnahme des Trailers und Teasers bieten übrigens alle Extras diverse Untertitel an; gleiches gilt für den Hauptfilm (in Deutsch und Englisch jeweils für Hörgeschädigte). Zusammenfassend also eine Ausstattung, die ungeachtet kleiner Patzer sowohl quantitativ als auch qualitativ rundum überzeugt und völlig neue Sichtweisen auf PRISCILLA gewährt, was für ein Werk, welches immerhin schon elf Jahre auf dem Buckel trägt, ganz und gar kein Standard ist. Die entsprechende Belohnung folgt auf dem Fuß: sieben Punkte!

Bewertung  7 von 10 Punkten





Technisches Fazit:  Bewertung  7 von 10 Punkten


Zwei zickige Drag Queens und ein Transsexueller mit viel zu losem Mundwerk auf großer Fahrt nach Nirgendwo, um sich ihren Wunsch "A cock in a frock on a rock" (= Ein Schwanz im Fummel auf einem Berg) zu erfüllen - das hätte leicht zur billigen Klischee-Nummer verkommen können. Stephan Elliott machte daraus allerdings zum Glück ein wunderbares Kinoereignis; erfrischend vulgär (FSK 16!), schreikomisch und quietschbunt, aber trotzdem voll herzblutiger Emotionsausbrüche.

Dabei ging er das Risiko ein, die drei Hauptfiguren heterosexuellen Darstellern anzuvertrauen (vorgesehen waren ursprünglich echte Queens, aber die quälten sich am frühen Morgen nicht zum Vorsprechen) - und gewann. Ob HERR DER RINGE-Elbe Hugo Weaving und Guy Pearce, welchem später mit L.A. CONFIDENTIAL sowie MEMENTO der internationale Durchbruch gelang, heute noch diese Rollen annehmen würden, darf zwar bezweifelt sein. Aber zum damaligen Zeitpunkt verbissen sie sich konsequent in die abgefahrenen Charaktere und brachten selbst unter turmhohen Leuchtperücken und zeltgroßen Extrem-Kleidern Menschen zum Vorschein, an deren Authentizität niemals ein Zweifel besteht. In beeindruckendster Erinnerung bleibt dennoch Terence Stamp. Mit atemberaubender Intensität erweckt er den Transsexuellen Bernadette zu echtem Leben (inklusive falscher Brüste) und verleiht der verletzlich-zerrissenen Figur stets die wichtigste aller Eigenschaften, nämlich Würde. Und das sogar, obwohl ihm während der an Schrägheit kaum zu überbietenden Revue-Einsprengsel oft quasi deutlich sichtbar eine Gedankenblase über dem Kopf schwebt, welche besagt: "Ich bin ein Star fortgeschrittenen Alters, habe in meiner Karriere meistens finstere Schurken gegeben und einiges erlebt. Aber diese verdammten Stöckelschuhe bringen mich um! Was soll der Mist eigentlich?"

Gelohnt haben sich die blasenübersäten Füße auf jeden Fall: PRISCILLA ist nicht nur bereits jetzt zu den modernen Klassikern zu zählen, sondern gleichfalls ein Phänomen. Nach seinem Siegeszug um die Welt und der flachen "Hollywood-Schwester" TO WONG FOO, THANKS FOR EVERYTHING! JULIE NEWMAR (der Audiokommentar verrät, dass es sich nicht um ein Remake handelt, wie oft geglaubt wird) war nämlich kein Ende des Erfolges in Sicht - wie Elliott treffend feststellt, gewinnt der wilde Ritt auch heute noch ständig neue Fans hinzu. Ganz einfach deshalb, weil viele Leute "immer Angst hatten, es wäre ein Schwulenfilm. Wenn sie ihn dann sehen müssen, verstehen sie, worum es geht." Gut gebrüllt, Regisseur! Denn Fakt ist: Möglicherweise hat die Community einen leichten Verständnisvorteil, wenn unsere drei Held(inn)en in der nächtlichen Wüste zu Gloria Gaynors "I will survive" abhotten oder beim Zickenkrieg mehr als bloß verbale Fetzen fliegen. Aber Elliott rutscht trotzdem weder auf die eine noch andere Art ins Plakative ab. So gibt er zwar die menschlichen Macken von Bernadette, Mitzi und Felicia brüllkomischer Lächerlichkeit preis, macht sich aber niemals darüber lustig, wer sie sind. Auch das Werben um Toleranz sowie die Darstellung von physischer oder psychischer Gewalt gegenüber Minderheiten geschehen stets subtil - aufdringliches "Ihr bösen, bösen Heteros!"-Gehabe sucht man vergebens. Und absolut universelle Themen wie Einsamkeit, Suche nach dem eigenen Platz im Getriebe des Lebens, familiärer Zusammenhalt und Hoffnung auf wahre Liebe verbinden sowieso alle potenziellen Publikums-Gruppen. Befürchtet werden darf allerdings, dass einige der unsterblichen Oneliner sich felsenfest auch im alltäglichen Vokabular des Zuschauers verankern - der Rezensent spricht aus eigener Erfahrung ("Ich hab's schon mal gesagt und wiederhole es gern!").

Was wir hier haben, ist letztlich also ein klassisches Feel-Good-Movie mit bittersüßen Spitzen, das seine Protagonisten gleichermaßen ernst wie auf die Schippe nimmt. So überzeugend und wahrhaftig, dass in manchem Wohnzimmer am Ende wohl Waschbärenzeit herrscht... Wer den Film kennt, versteht diese Anspielung.

Allen anderen sei dringend ans Herz gelegt, ihre klaffende Bildungslücke unbedingt zu schließen: Da die nun endlich erhältliche deutsche DVD-Auswertung technisch relativ überzeugt, in Sachen Bonus nahezu keine Wünsche offen lässt und auch der Straßenpreis von gerade mal 13 Euro für die gebotene Qualität mehr als fair ist, kann ihr eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen werden! Kleiner Tipp: Nach dem Abspann gibt's noch einen kurzen Gag...






© DVD-Palace Home Entertainment




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