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 16547  Review zu: Hardcore 29.12.2005
BMV-Medien

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Ein Review von Michael Holland



Lieben und verachten - dass das zugleich geht, wissen Nadja und Martha ganz genau. Die beiden Mädchen sind sich die liebsten Feinde, das brutale Rotlichtmilieu Athens ist ihr zu Hause. Auf ihrer gemeinsamen Tour de Force durch die Labyrinthe der Prostituierten-Szene jagen sich die Albträume im Viertelstundentakt. Aber während die lebenshungrige Nadja nur auf die nächste Gelegenheit wartet, der Finsternis der Prostitution zu entkommen, lässt sich Martha immer tiefer in würdelose Selbstaufgabe treiben. Als Nadja die Gelegenheit kommen sieht, greift sie rücksichtslos zu und manövriert sich und Martha in einen blutigen Kreislauf aus Mord und Verrat.

Cover Hardcore
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Im Handel ab:23.01.2006
Anbieter: Universum Film / Legend Films International
Originaltitel:Hardcore
Genre(s): Drama
Kriminalfilm
Regie:Dennis Iliadis
Darsteller:Dimitris Liolios, Andreas Marianos, Konstadinos Markoulakis, Ioannis Papazisis, Omiros Poulakis, Pigi Roumani, Venia Roumani, Danai Skiadi, Yannis Stankoglou, Yannis Stefopoulos, Katerina Tsavalou
FSK:16
Laufzeit:ca. 96 min
Audio:Deutsch: Dolby Digital 5.1
Griechisch: Dolby Digital 5.1
Bildformat:16:9 (1.78:1) anamorph
Medien-Typ:1 x DVD-9
Regionalcode:2
Verpackung:Amaray Case
Untertitel: Deutsch,
Extras/Ausstattung:
  • Kinotrailer
  • Trailer von anderen Filmen
  • Kapitel- / Szenenanwahl
  • Making Of
  • Animiertes Menü
  • Menü mit Soundeffekten
  • Musikvideo(s)
  • Interviews
  • Deleted Scenes
  • Teaser
  • TV-Spot
  • Fotogalerie
Zusatzinfos: Infos zum Film bei der OFDb
Infos zum Film bei der IMDb
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Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass eine griechische Independent-Produktion aktuellen Blockbustern technisch nicht das Wasser reichen kann. Außerdem wurde zum Thema passend eine triste, schmutzige Optik gewählt. Diese beginnt bei den meistens verfremdeten, mit einem deutlichen Grün-Schleier versehenen Farben und setzt sich in Form des oft viel zu dunklen Bildes fort. Den Kontrast "mittelmäßig" zu nennen, wäre also quasi noch geschmeichelt. Dass nur wenige Details dargestellt werden, ist eine logische Folge dessen.

Auch in Sachen Schärfe erzielt HARDCORE keine sonderlich erfreulichen Ergebnisse: Bei Nahaufnahmen kann man zwar schon feine Einzelheiten, beispielsweise in Gesichtern, ausmachen, aber auf mittlere oder längere Distanzen gelingt dies nie. Hinzu kommen extrem weiche Kanten und mangelnde Plastizität, welche zusätzlich unter dem wenig überzeugenden Schwarzwert leidet. Immerhin tritt Rauschen nur sehr dezent auf und arbeitet die Kompression (abgesehen von leichten Doppelkonturen oder recht unauffälliger Blöckchenbildung in homogenen Flächen, was beides nicht stört) ordentlich. Allerdings sichtet man permanent Dropouts beziehungsweise leichte Verschmutzungen.

Objektiv betrachtet, erreicht die Wertung bloß knappe fünf Punkte. Auf Grund der durch dieses trostlose Bild perfekt eingefangenen Atmosphäre gibt es aber einen kleinen Bonus.

Bewertung  6 von 10 Punkten




Beide Tonspuren (Deutsch und Griechisch, jeweils Dolby Digital 5.1) unterscheiden sich praktisch lediglich in der Sprache. Ansonsten fällt eine fast schon extreme Frontlastigkeit auf, welche bei der hier gebotenen Konzentration auf Dialoge zwar nicht verwundert, aber schade ist. Selbst Score-Einlagen verteilen sich meist nur ganz leise auch auf den hinteren Lautsprechern, Effekte treten sowieso bloß sehr vereinzelt auf. Sogar Umgebungsgeräusche sind eine echte Seltenheit - voluminösen Raumklang darf man also niemals erwarten. Dafür punktet die Akustik mit natürlich wirkenden, hervorragend in das tonale Geschehen eingebetteten und stets problemlos verständlichen Dialogen. Sie heben die Wertung etwas mühsam schließlich doch noch auf dünne...

Bewertung  6 von 10 Punkten




Nach Einlegen des Silberlings wird man vom Regisseur und den Hauptdarstellerinnen willkommen geheißen. Eine nette Geste in charmant gebrochenem Englisch, mit gerade mal 17 Sekunden Länge allerdings verzichtbar.

Eine längere Filmszene leitet sodann zur animierten und beschwingt vertonten Hauptauswahl über. Auch alle anderen Menüs bieten zumindest Sound, so beispielsweise eine recht eigenwillige Version von ABBAs unvergesslichem Heuler "Dancing Queen". Selbige wird unter "Extras" auch gleich noch als Musikvideo (3:24) angeboten. Ebenfalls was fürs Auge: eine selbstlaufende Fotogalerie (2:17) mit 21 bildschirmfüllenden Aufnahmen vom Dreh.

Das folgende Interview mit Regisseur Dennis Iliadis geriet zwar etwas kurz (8:50), gibt dem Mann aber trotzdem Gelegenheit, sich als ebenso intelligenter wie eloquenter Filmemacher zu erweisen, welcher viele interessante Dinge über sein Werk sagen kann. Dagegen bleibt das Gespräch mit den Darstellerinnen Katerina Tsavalou und Danai Skiadi leider eher oberflächlich, was primär seiner Beschränkung auf nicht einmal zweieinhalb Minuten geschuldet ist.

Also bleiben noch einige Fragen offen - erfreulicherweise beantwortet das Making Of (18:28) zumindest einige von ihnen. Als Mix aus Behind the Scenes-Material und Statements aller Beteiligten könnte es dennoch informativer sein, obwohl es dem Film aber immerhin etwas seinen düsteren Grundton nimmt. Dies vor allem darum, weil man unter anderem sieht, dass am Set offensichtlich eine gelöste, manchmal gar lustige Stimmung herrschte.

Wesentlich bedrückender, aber unbedingt sehenswert (wenn auch in teils übler Qualität): einige Deleted Scenes (zusammen 13:10). Zum guten Schluss gibt es noch etwas Werbung, konkret den HARDCORE-Kinotrailer sowie je einen Teaser und TV-Spot. Auf sieben weitere Titel aus dem Gesamtprogramm von Legend Home Entertainment, darunter verstörende Meisterwerke wie IRREVERSIBEL oder MENSCHENFEIND, weist schließlich eine Trailershow hin. Wo diese notwendig sind, bieten alle Boni deutsche Untertitel - das Gleiche gilt natürlich für den Hauptfilm.

Bewertung  5 von 10 Punkten





Technisches Fazit:  Bewertung  6 von 10 Punkten


HARDCORE stellt in seiner deutschen DVD-Veröffentlichung ein Musterbeispiel für vermeintlich treffendes Marketing dar: Das suggestive, doppelbödige Motiv auf der Vorderseite des Amarays fängt zielsicher Blicke und zwingt quasi dazu, sich den Inhaltstext anzuschauen. Dieser poltert dann ohne Hemmungen los. "Ein Film, der sich bedingungslos nimmt, was er will" ist dort zu lesen. Außerdem wird mit coolen Schlagworten das bevorzugt männliche Interesse weiter angestachelt. So verspricht das Backcover: "Für den geübten Pop-Konsumenten sind Grenzüberschreitungen und Tabubrüche ja nichts Neues - bis man 'Hardcore' gesehen hat." Spätestens hier schaltet sich nahezu jedes vom Testosteron überschwemmte Hirn aus und bringt den dranhängenden Kerl dazu, die Kasse anzusteuern. Für viele der Blindkäufer dürfte es leider ein böses Erwachen geben - denn HARDCORE ist... anders.

Was allerdings nicht automatisch auch "hervorragend" bedeutet. Aber hübsch langsam! Also: Voyeure sollten ihre grauen Zellen besser schnell wieder vom Nebel befreien, denn außer ein paar halbnackten Mädchenkörpern gibt es nichts zu sehen. Die Sex-Szenen entbehren zusätzlich jeglicher Erotik - hier wird fast immer gewaltsam zu Werke gegangen. Regisseur Iliadis macht zum Glück nicht den Fehler, Prostitution in pinkfarbene Formen zu gießen, wie es - diesbezüglich nach wie vor unerreicht - beispielsweise PRETTY WOMAN tat. Vielmehr ist ihm bewusst, wie abstoßend und verzweifelt das Milieu ist.

Leider kommen wir damit allerdings auch gleich zum großen Problem von HARDCORE. Einerseits gelingen Iliadis nämlich wunderbare formale Einsprengsel, welche seine intendierten Aussagen verstärken. Man denke unter anderem an die plötzlich eingeschobene, nahezu zynische Cabaret-Nummer. Momente verstörender Zärtlichkeit finden darüber hinaus ebenso Platz wie anrührende Sequenzen - etwa dann, wenn Martha in der Badewanne mit kindlicher Freude Blubberblasen macht. Diese Augenblicke kontrastieren perfekt ihr minderjähriges Wesen und die Kundschaft, welche sie nur als zum Abreagieren notwendiges Stück Fleisch betrachtet. Hätte Iliadis diesen Stil konsequent verfolgt, wäre ein würdiger Kommentar zum Thema entstanden. Aber leider glaubt er andererseits, einen Schritt weitergehen, manches visualisieren zu müssen. Per se ein gleichermaßen legitimer Ansatz - welcher jedoch wirkungslos verpufft, weil die Provokation halbherzig und gezwungen wirkt. Da werden Klischees als pure Wahrheit festgetackert (Mädchen verkaufen ihre Körper, weil sie spießige Eltern haben), sondert Martha pseudo-schockierende Sprechblasen ab ("Nadja hat Recht. [...] Es gefällt mir sehr, mich ficken zu lassen und dafür bezahlt zu werden. Martha hat heute eine Identität. Vorname: Nutte. Nachname: Nutte. Adresse: Nutte.") oder halten unbekannte Hände einen monströsen Dildo ins Bild. Mal davon abgesehen, dass derartiges Gedöns einen aufgeklärten Menschen weiß Gott nicht mehr tangiert, fragt man sich schon beherzt, was das Ganze - neben dem Selbstzweck - eigentlich soll?!

Erinnern wir uns zum Vergleich doch mal an die ähnlich gelagerte Vergewaltigungsszene in IRREVERSIBEL (ebenfalls bei Legend HE erschienen). Losgelöst vom Kontext des Gesamtwerkes waren es (in aufsteigender Reihenfolge) drei Aspekte, welche sie derart unerträglich machten, dass sich die Kinosäle rapide leerten. Nämlich:

1. Die extrem explizite, vielleicht sogar fragwürdige Darstellung der physischen Gewalt ohne jeden Zwischenschnitt - hier blendet HARDCORE immer schnell und verschämt zur Seite. Dem Publikum darf man eben nicht zu viel zumuten!

2. Monica Belluccis Darstellung der Qual, welche sich direkt aufs Publikum übertrug - dagegen kommen zwei Schauspielschülerinnen natürlich nicht an.

3. und am wichtigsten: ein kurzer Augenblick während der Tat. Ein Mann betritt im Hintergrund die Unterführung, schaut sich in aller Ruhe die Vergewaltigung an - und geht einfach wieder.

Hier packt IRREVERSIBEL den Zuschauer ganz tief am eigenen Gewissen und stellt indirekt die Frage, wie man angesichts einer solchen Situation gehandelt hätte. Für einige (wenige? viele?) Menschen dürfte die Flucht aus dem Filmtheater auch ein Wegrennen vor sich selbst gewesen sein. Solche Details und enthüllenden Fragen finden sich leider zu selten und nur abgeschwächt in HARDCORE. Was letztlich heißt: Die Konzentration auf das Seelenleben seiner Protagonistinnen reichte Iliadis nicht aus, es mussten noch um jeden Preis provokative Szenen enthalten sein. Diese fielen jedoch absolut gewollt und nicht gekonnt aus.

Nach einer knappen Stunde darf dann schließlich Gewalt in einer ihrer hässlichsten Formen (nämlich gegen Frauen) brutal eskalieren. Da bis zu diesem Zeitpunkt indes keinerlei nennenswerte Figurenzeichnung erfolgte, lässt sogar das recht kalt. Man schaut insgesamt wie von fern auf das Schicksal zweier verlorener Seelen und fühlt sich lediglich temporär berührt - das Schlimmste, was man über einen solchen Film sagen kann. Unsicher irgendwo im Niemandsland zwischen Porno und Adorno wandelnd, fehlt es ihm deutlich an eigenen Konturen sowie einer klaren Richtung, weswegen er scheitert; wenn auch voller guter Absichten, edel und höchst ehrenwert.

Die deutsche DVD-Veröffentlichung passt sich perfekt an: Sinnige Extras zeugen vom Willen, das Beste zu geben, obwohl in Sachen Technik noch viele Wünsche offen bleiben.

Subjektive Filmwertung: 4 von 10 missglückten Milieustudien






© DVD-Palace Home Entertainment




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