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 4581  Review zu: Die Blechtrommel 12.08.2010
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Ein Review von Danny Walch



Danzig 1927.
Der äußerst frühreife und hellwache Oskar ist gerade erst drei Jahre alt geworden. Und doch ist ihm bereits klar: Das kleinbürgerliche Leben der Erwachsenen kann und will er so nicht akzeptieren. Er hört einfach auf zu wachsen. Leidenschaftlich protestiert der anarchische Zwerg fortan auf seiner Blechtrommel gegen fanatische Nazis und deren feige Mitläufer. Immer wieder erhebt er seine Stimme gegen die muffigen Spießer der Weimarer Republik und deren derbe Erotik. So schrill, bis Glas springt. Erst als nach dem Krieg eine menschlichere Zeit beginnt, beschließt Oskar wieder am Leben teilzunehmen und wächst weiter.

Cover Die Blechtrommel
Cover vergrößern




Im Handel ab:15.07.2010
Anbieter: Kinowelt Home Entertainment / Arthaus
Originaltitel:Die Blechtrommel
Genre(s): Drama
Regie:Volker Schlöndorff
Darsteller:Mario Adorf, Angela Winkler, David Bennent, Katharina Thalbach, Daniel Olbrychski, Tina Engel, Berta Drews, Roland Teubner, Tadeusz Kunikowski, Andréa Ferréol, Heinz Bennent, Ilse Pagé, Werner Rehm, Käte Jaenicke, Helmut Brasch, Otto Sander, Wigand Witting, Mariella Oliveri, Fritz Hakl, Emil Feist, Herbert Behrendt, Karl Heinz Tittelbach, Charles Aznavour, Marek Walczewski, Ernst Jacobi, Wojciech Pszoniak, Gerda Blisse, Joachim Hackethal, Henning Schlüter, Zygmunt Hübner, Mieczyslaw Czechowicz, Bruno Thost, Alexander von Richthofen, Lech Grzmocinski, Stanislaw Michalski, J. Kapinski, Dietrich Frauboes, Beata Pozniak, Raphaël Vogt
FSK:16
Laufzeit:ca. 163 min
Audio:Deutsch: DTS-HD Master Audio 5.1
Bildformat:High Definition (1.66:1) - 1080p
Medien-Typ:1 x Blu-ray
Regionalcode:B
Verpackung:Blu-ray Case im Schuber
Untertitel: Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte,
Extras/Ausstattung:
  • Kinotrailer
  • Kapitel- / Szenenanwahl
  • Animiertes Menü
  • Menü mit Soundeffekten
  • Einführung zum Director’s Cut von Volker Schlöndorff
  • „Die Blechtrommel – Erinnerungen von Volker Schlöndorff“
  • Nicos Perakis über „Die Blechtrommel“
  • Interview mit Eberhard Junkersdorf
  • Geschnittene Szenen mit Kommentar von Volker Schlöndorff
  • Fotogalerie
  • Originaldokumente von den Dreharbeiten
  • Biografie Volker Schlöndorff
Zusatzinfos: Infos zum Film bei der OFDb
Infos zum Film bei der IMDb


Technische Daten:

Codec: MPEG-4 AVC Video (High Profile 4.1)
Bitrate: 20456 kbps
Auflösung: 1080p / 23,976 fps / 16:9


Der Transfer von DIE BLECHTROMMEL besitzt auf der vorliegenden Blu-ray Disc das Bildformat 1,66:1. Das Ergebnis ist ziemlich gut, wenngleich nicht optimal. Die Schärfe kann man in Anbetracht des Produktionsalters als gelungen ansehen, da Feinheiten gut erkennbar herausgearbeitet werden und das Bild eine nie gekannte Klarheit offenbart. Natürlich kann die Schärfe mit neuen Produktionen nicht mithalten und manche Einstellungen wirken ziemlich soft, das ist aber bereits im Ausgangsmaterial verankert. Trotzdem bleibt der Transfer hinter seinen Möglichkeiten zurück, da doch sichtbar rauschgefiltert wurde. Die Rückstände des artefaktierten Filmkorns wirken unregelmäßig, grob und unsauber. Des Öfteren gibt es auch stehende Rauschmuster zu sehen. Nachgeschärft wurde nur leicht, was zum Glück kaum auffällt. Die Kompression arbeitet im Rahmen der Vorgaben sauber und ohne zusätzliche Produktion von Blockartefakten. Die Farben wirken sehr satt und bunt, aber niemals zu überdreht, sondern immer natürlich und realistisch. Diesem Eindruck schließt sich auch die Kontrastbalance an, die sehr ausgewogen, aber niemals zu poppig daherkommt. Überstrahlen tut hier nichts und auch der Schwarzwert wirkt nicht zu dominant, obwohl seine Tiefe durchaus beachtlich erscheint. Schmutz sowie analoge Defekte wurden sorgfältig entfernt und sind nur noch in geringen Mengen im Film anzutreffen.

Bewertung  7 von 10 Punkten




Verfügbare Tonspuren:

Deutsch: DTS-HD Master Audio / 5.1 / 48 kHz / 1876 kbps / 16-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 16-bit)
Deutsch: DTS-HD Master Audio / 2.0 / 48 kHz / 1591 kbps / 16-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 1509 kbps / 16-bit)


Der Sound des Films liegt wahlweise in DTS-HD Master Audio 2.0 (Mono) oder 5.1 vor. Für den Director’s Cut wurden die neuen Passagen überwiegend von den gleichen Darstellern oder Verwandten (wie im Falle von Katharina Thalbach von deren Tochter) eingesprochen. Auch David Bennent hat seine neuen Parts selbst gesprochen, seine Stimme wurde dann per Computer „verjüngt“, was man aber deutlich heraushört. Die Verständlichkeit der Dialoge ist allerdings trotzdem nahezu optimal und die Abmischung nie steril. Im Sechskanal-Modus wird von hinten die Musik in den Raum gestreut, während es aber kaum Effekte und Umgebungsklänge zu hören gibt. Auch der Subwoofer hat mangels Tiefenbassanteil Sendepause. Der Sound klingt in der 5.1-Abmischung etwas mittiger und wärmer, während der 2.0-Mix eher direkter und höhenbetonter daherkommt. Verzerrungen oder ähnliche Tonstörungen sind nicht zu hören.

Bewertung  6 von 10 Punkten




Für den Hauptfilm gibt es deutsche Untertitel. Das Bonusmaterial beginnt mit einem 13 Minuten langen Beitrag, in welchem Volker Schlöndorff über den Director's Cut resümiert und erklärt, wie es zur Entstehung dieser Fassung kam. Vier Minuten an Aufnahmen von der Synchronisation zeigen die Akteure sowie den Regisseur bei der Arbeit im Tonstudio, wo die neuen Sequenzen eingesprochen wurden. Die Erinnerungen von Volker Schlöndorff dauern 20 Minuten an und lassen den Regisseur über die Dreharbeiten sowie die Entstehung von DIE BLECHTROMMEL erzählen, was sich als ziemlich interessant erweist. Es folgt ein Interview mit Produzent Eberhard Junkersdorf, das 25 Minuten dauert und weitere Hintergründe zur Produktion aus Sicht des Produzenten beisteuert. In "Nikos Perakis über DIE BLECHTROMMEL" erzählt der damalige Art Director und heutige Regisseur über die Zusammenarbeit mit Volker Schlöndorff sowie die Dreharbeiten. 13 Minuten dauert das und wird mit persönlichen Fotos aus seinem Archiv untermalt. Die Storyboards (HD) sind von eher mäßigem Informationsgehalt, man sieht aber schön, wie im Nachhinein in den getippten Seiten herum gekritzelt wurde. Vier Bildergalerien (Plakate, Werkfotos, Standfotos, Fotos von den Dreharbeiten) sowie der Trailer zum Film bilden den Abschluss des Bonusmaterials.

Bewertung  5 von 10 Punkten





Technisches Fazit:  Bewertung  6 von 10 Punkten


Mit DIE BLECHTROMMEL erschien im Jahr 1959 das wohl bekannteste Werk des deutschen Autors Günther Grass. Die Verfilmung des Stoffes aus dem Jahr 1979 von Volker Schlöndorff wurde international mit Preisen überschüttet, darunter auch dem Oscar 1980 als bester fremdsprachiger Film. Der neue Director's Cut kam zustande, weil die Geyer-Kopierwerke an Volker Schlöndorff herantraten und nachhakten, was denn mit dem noch im Archiv gelagerten Original-Negativ passieren sollte. Der Regisseur fasste spontan den Entschluss, den Film neu zu schneiden, wie er es eigentlich immer schon wollte, aber auf Grund der enormen Länge und einer Restriktion des Verleihers, der zwei Abendvorstellungen forderte, nicht konnte. Die Handlung wird aus der Sicht von Oskar Matzerath erzählt, der 1924 in Danzig zur Welt kommt und von Geburt an über einen voll entwickelten Verstand verfügt. Im Alter von drei Jahren beschließt Oskar, nicht mehr zu wachsen und kann so die zeitgeschichtlichen Ereignisse als autarker, kindlicher Beobachter distanziert schildern, da er sich nicht mit der Welt der Erwachsenen identifiziert. So erlebt er den Tod seiner Mutter sowie das Aufkeimen des Nazi-Regimes bis zum bitteren Ende des Zweiten Weltkrieges hautnah mit.

Im Vergleich zur Literaturvorlage fehlt in der Verfilmung das komplette dritte Buch nach der Übersiedelung zu Marias Schwester ins Rheinland sowie die Rahmenhandlung, welche von Oskar Matzerath im Jahr 1954 in einem Sanatorium erzählt wird. Diese Kompromisse wurden mit Absicht getroffen, um Sprünge zu vermeiden und die Handlung flüssiger darstellen zu können. DIE BLECHTROMMEL trug bereits in der Literaturvorlage starke groteske Züge, die des Öfteren an die Werke von Franz Kafka erinnern. Dank der tollen Bilder wirken diese Momente im Film noch viel intensiver. Zum Beispiel die Szene, in der mittels Pferdekopf nach Aalen gefischt wird und Oskars Mutter sich aus Ekel übergeben muss. Der Film konzentriert sich in seinem Kern auf die Nazi-Zeit und möchte klar, aber eben distanziert aus den Augen eines Kindes darstellen, wie die Massen und die Gesellschaft, langsam aber sicher von den braunen Horden und deren Gedankengut unterwandert werden. Der Hass der deutschstämmigen Danziger Bevölkerung gegen die Polen zum Beispiel gipfelt in einem brutalen Massaker in der polnischen Post - einer der stärksten Momente des Films. Die Darsteller spielen allesamt super. Vor allem der junge David Bennent überzeugt als Oskar Matzerath, aber auch Stars wie Mario Adorf leisten hier Großartiges. Insgesamt ist DIE BLECHTROMMEL nicht nur ein Literaturklassiker, sondern auch ein Klassiker des deutschen Kinos. Das Werk von Volker Schlöndorff wurde gekonnt und mitreißend inszeniert und ist neben dem Roman Pflichtprogramm.

Die Blu-ray Disc von Kinowelt/Arthaus zeigt DIE BLECHTROMMEL im neuen Director's Cut, der nun ca. 20 Minuten länger ist. Bild- und Tonqualität sind gut, die Ausstattung nicht opulent, aber in Ordnung.






© DVD-Palace Home Entertainment




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