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 8485  Review zu: Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders - Premium Edition 04.04.2007
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Ein Review von Marcus Kampfert



Unter menschenunwürdigen Bedingungen kommt Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw) im Jahre 1738 auf einem Fischmarkt in Paris zur Welt. Ein besonderes und außergewöhnliches Kind: Ein Mensch ohne eigenen Geruch, aber gesegnet mit der sensibelsten Nase der Welt. Ausgestattet mit dem bemerkenswert guten Geruchssinn treibt es den Sonderling bald in die Arme des berühmten Parfumeurs Baldini (Dustin Hoffman). Schnell übertrifft der talentierte Junge seinen Lehrmeister in der Kunst des Duftmischens. Doch Grenouille will mehr. Er reist nach Grasse, in die Hauptstadt der Parfumkunst. Beseelt von dem Gedanken menschliches Aroma zu konservieren und damit den vollkommensten aller Düfte zu kreieren, ermordet er zahlreiche junge Mädchen, deren geheimnisvolle Gerüche ihn betören.

In seinem Wahn nach dem perfekten Parfum, zieht sich die Spur seiner getöteten Opfer durch das ganze Land. Als er eines Tages der wunderschönen Laura (Rachel Hurd-Wood) aus adeligem Hause begegnet, weiß er, was ihm zum Höhepunkt seiner Duftkomposition noch gefehlt hat. Lauras Vater, der Kaufmann Richis (Alan Rickman), ahnt, dass seine Tochter in Lebensgefahr schwebt...

Cover Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders - Premium Edition
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Im Handel ab:15.03.2007
Anbieter: Paramount Home Entertainment / Highlight Video
Originaltitel:Perfume: The Story of a Murderer
Genre(s): Thriller
Drama
Kriminalfilm
Regie:Tom Tykwer
Darsteller:Ben Whishaw, Francesc Albiol, Gonzalo Cunill, Roger Salvany, Andrés Herrera, Simon Chandler, David Calder, Richard Felix, Birgit Minichmayr, Reg Wilson, Catherine Boisgontier, Núria Casas, Carlos Gramaje, Sian Thomas, Michael Smiley, Walter Cots Wanguemert, Perry Millward, Jan Cortés, Berta Ros, Alvaro Roque, Franck Lefeuvre, Sam Douglas, Joan Serrats, Bridget McConnell, Jaume Montané, Duna Jové, Karoline Herfurth, Timothy Davies, Dustin Hoffman, Rachel Hurd-Wood, Ramón Pujol, Alan Rickman, Sara Forestier, Corinna Harfouch, Paul Berrondo, Joanna Griffiths, Jessica Schwarz, Harris Gordon, Anna Gelman, Laura Gelman, Guillermo Ayesa, Anna Diogene, Toby Harper, Jerome Willis, Fermí Reixach, Derek Smee, Albert Pérez, Artur Sala, Thomas Lenox, Richard Collins-Moore, Francesca Piñón, Nico Baixas, Enric Arquimbau, Oriol Tramvia, Cristina Solá, Laura Vidal Traver, Ariadna Cabrol, Maia Jenkinson, John Hurt, Joachim Kerzel, Bernd Rumpf, Otto Sander
FSK:12
Laufzeit:ca. 142 min
Audio:Deutsch: DTS 5.1
Deutsch: Dolby Digital 5.1
Englisch: Dolby Digital 5.1
Bildformat:16:9 (2.35:1) anamorph
Medien-Typ:2 x DVD-9
Regionalcode:2
Verpackung:Digipak
Untertitel: Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte, Deutsch,
Extras/Ausstattung:
  • Kapitel- / Szenenanwahl
  • Animiertes Menü
  • Menü mit Soundeffekten
  • Hörfilmfassung für Blinde
  • Audiokommentare
  • Langes Making of (ca. 54 Min.)
  • Interviews (ca. 38 Min.)
  • Motivsuche (ca. 11 Min.)
  • Visualisierung der Gerüche (ca. 13 Min.)
  • Kameraarbeit (ca. 12 Min.)
  • Deutsche Synchronisation (ca. 10 Min.)
  • Mischung Originalversion (ca. 3 Min.)
  • Die Düfte zum Film (ca. 10 Min.).
Zusatzinfos:
  • Das Parfum

    Infos zum Film bei der OFDb
    Infos zum Film bei der IMDb
  • Momox.de - Einfach verkaufen.


    Der detailreiche Transfer von DAS PARFUM hat vor allem einen Feind: Das deutliche Rauschen in Nachtaufnahmen. Diese sorgen dafür, dass der Schwarzwert seine ansonsten perfekte Note einbüßt. Der Kontrastumfang dürfte ebenfalls noch etwas höher sein, so wirken Einstellungen bei Tageslicht immer noch eine Spur zu dunkel. Die Farben sind bewusst erdig gehalten, lediglich Rot ist in strahlender Form wahrnehmbar, da es eine zentrale Rolle spielt. Die Schärfe gibt sich im Großen und Ganzen keine echte Blöße. Nur Totalen könnten noch eine Nuance mehr an Kontur vertragen. Der Verzicht auf Rausch- und Schärfefilter lässt das Bild stets sehr sauber und frei von jeglichen Artefakten erscheinen. Die Kompression macht sich nie bemerkbar, was bei einer Laufzeit von 142 Minuten nicht selbstverständlich ist.

    Zum Top-Transfer fehlt einiges, dennoch werden gehobene Ansprüche an ein aktuelles Werk durchaus befriedigt.

    Bewertung  8 von 10 Punkten




    Als Thriller mit dramatischem Anstrich ist DAS PARFUM in erster Linie ein musikbetontes Werk. So steht der Score im Vordergrund, wenngleich er in vielen Momenten eher sparsam eingesetzt wird. Immer aber bildet er die räumlichste Komponente des Gesamtsoundtracks. Die Kulisse schwillt meist dort an, wo Massenszenen anstehen. Dann gibt es ein Sammelsurium an direktionalen Effekten, die alle Kanäle bevölkern. Drum herum kann es bisweilen gerade auf den Rears sehr ruhig werden. Die Stimmen werden klar verständlich meist aus dem Center ausgegeben. Unterschiede zwischen DTS und DD 5.1 gibt es in der Synchro. Auffälligerweise ist der Ausgangspegel in der DTS-Spur etwas niedriger als im Dolby-Pendant, wodurch etwas Druck verloren geht. Wer des Englischen mächtig ist, sollte aber sowieso dem Original den Vorzug geben, da es mit John Hurt die bessere Erzählerstimme aufzuweisen hat.

    Bewertung  7 von 10 Punkten




    Highlight Video schuf vor wenigen Jahren mit dem Prädikat Premium Edition ein Gütesiegel, welches die bisher unter dieser Bezeichnung veröffentlichten Titel allesamt verdient hatten. Auch für DAS PARFUM ließ man sich nicht lumpen und ersann ein gleichermaßen informatives wie unterhaltendes Zusatzprogramm, das über einige weitere Stunden beschäftigt.

    Auf der Filmdisk befinden sich neben den drei Audiokommentaren, die nachfolgend näher beschrieben werden, überdies noch Darstellerinfos zu acht Schauspielern mit Geburtsdaten und Auszügen aus der unterschiedlich langen Filmografie. Nicht gerade ergiebig in Sachen „Lebenslauf“. Eine mit zwei Ausschnitten sehr kurze Trailershow wird auf der Bonusdisk fortgesetzt.

    Der Film kann von Sehgeschädigten in einer speziellen Hörfilmfassung genossen werden, die allerdings nur wenig mehr als die Dialoge freimündlich wiedergibt und etwas wenig ortsbeschreibend ist.

    Wie bereits angedeutet, bietet die erste Disk gleich drei Audiokommentare an. Der Audiokommentar von Regisseur Tom Tykwer stellt sich dabei als wahrer Informationsquell zu den unterschiedlichsten Teilbereichen der Produktion dar. Fast immer klebt er an der derzeitigen Szene beziehungsweise dem dazugehörigen „Motiv“ und berichtet alles seiner Meinung nach erläuternswerte. Im Audiokommentar von Produktionsdesigner Uli Hanisch und Assistent Kai Karla Koch geht es etwas unspezifischer zur Sache. Da werden Anekdoten mit Informationen zur Vorgeschichte der Produktion wie der Drehortwahl oder umsetzungstechnischen Details vermischt. In gewisser Weise ist dieser unterhaltsamer, da er auch mal etwas vom eigentlichen Film wegdriftet. Der Audiokommentar von Chef-Kameramann Frank Griebe und Cutter Alexander Berner sind in Ihrer Art der Erläuterung etwas lockerer und widmen sich neben Ihren eigenen Fachrichtungen beinahe jeglichen Aspekten der Dreharbeiten, was auch diesen Kommentar reizvoll macht.

    Alles in allem wird man allein durch die drei Audiospuren schon mehr als ausreichend über die Produktion, Dreharbeiten und Umsetzung von DAS PARFUM informiert. Doch es gibt noch eine Bonusdisk, die weitere Features bietet. Diese werden eher stichpunkartig und tabellarisch nachfolgend angerissen.

    Making Of (53:52 Minuten):
    Wer meint, in den Audiokommentaren alles über die Produktion erfahren zu haben, wird überrascht sein hier weitere interessante Aspekte vorzufinden. Untermauert wird das Ganze von Interviews und Szenen vom Set; Filmausschnitte sind natürlich auch mit von der Partie. Leider wirkt das Making Of etwas konzeptlos, da ständig zwischen Casting, Dreharbeiten, Story, Figurenprofilen, Musik sowie Ausstattung hin- und hergesprungen wird. Immerhin enthält es einige kurze Outtakes sowie gelöschte Szenen, die leider ansonsten nicht in einem separaten Feature zusammengeführt wurden. Das Voice Over anstatt übersetzender Untertitel für englischpsrachige Statements deutet an, dass dieses Feature wohl trotz akzeptablem Infogehalt für das Fernsehen produziert wurde.

    Interviews (gesamt 52:18):
    Hier gibt es wenig Neues herauszuhören. Viele der Statements sind satzweise bereits im Making Of enthalten. Dennoch geben die Worte Einblick in die Befindlichkeiten jedes Redners in Bezug auf Filmstoff, Rolle und Umsetzung – es gibt allerdings auch viele gegenseitige Lobpreisungen. Die Befragten sind Bernd Eichinger, Tom Tykwer, Andrew Birkin, Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood, Caroline Herfurth, Corinna Harfouch und Jessica Schwarz.

    Es folgen sechs Featurettes, die sich abermals mit Teilaspekten der Produktion beschäftigen. Leider gilt hier das gleiche wie für die Interviews. Es sind deutliche Überschneidungen mit dem Making Of erkennbar, gerade so, als hätte man diese Teile dort herausgeschnitten und lediglich um zusätzlich produziertes Material erweitert.

    Motivsuche (11:01):
    Bereits im Audiokommentar beleuchtet, wird hier auf einzelne Motive nochmals direkt eingegangen.

    Visualisierung der Gerüche (13:35):
    Von den Kameraleuten getragene Featurette, die aber auch Regisseur und Produzent zu Wort kommen lässt.

    Kameraarbeit (11:18):
    Nochmals ist dieser Teil der Crew an der Reihe – dieses Mal geht es um Beleuchtungstricks und Einstellungen.

    Deutsche Synchronisation (09:46):
    Hier darf man zwei Synchronsprechern im Studio über die Schulter schauen.

    Mischung Originalversion (03:34):
    Der Tondesigner darf in diesem Feature einige kurze Worte finden; im Hintergrund befindet sich das gewaltige Aufnahmestudio.

    Die Dürfte zum Film (10:12):
    Etwas Werbung darf es dann auch noch sein: Das Team um Parfümeur Thierry Mugler darf seine Duft-Edition von DAS PARFUM ausgiebig vorstellen. Diese Ausgabe der DVD ist übrigens extrem limitiert, also sehr exklusiv und entsprechend teuer.

    Der Promotion-Part wird abgeschlossen durch “Der besondere Filmtipp: APOCALYPTO“, die DVD-Empfehlung: DER UNTERGANG sowie einer weiteren des Anbieters.

    Im aufklappbaren Digipak befindet sich noch ein achtseitiger Einleger zur filmischen Umsetzung des Bestsellerromans und wiederholend die Darstellerinfos, die bei Interesse bereits auf der ersten Disk auf dem Screen durchgelesen werden konnten.

    In Sachen Menüführung und –gestaltung gab man sich wie gewohnt viel Mühe und schaffte eine durchweg mit Teilanimationen sowie Musikuntermalung ausstaffierte Einstimmung auf den Hauptfilm. Fehlerfreie Untertitel gibt es zum Hauptfilm sowie jeglichen Features abgesehen vom Making Of, wo Voice Over für die englischsprachigen Abschnitte zum Einsatz kommt.

    Wenn man von den Beweihräucherungen in den Interviews, den teils aus dem Making Of oder Audiokommentaren wiederholten Ausschnitten in den Featurettes und den fehlenden gelöschten Szenen sowie Filmtrailern absieht, hat man es hier mit einer stets informativen, unterhaltsamen Bonusausstattung zu tun, die das Prädikat „Premium“ durchaus verdient. Somit sind die acht Punkte, welche nur knapp an der neun vorbeischrammen, vollauf verdient!

    Bewertung  8 von 10 Punkten





    Technisches Fazit:  Bewertung  8 von 10 Punkten


    Im Falle von DAS PARFUM bewahrheitet sich ein ungeschriebenes Gesetz: Der Film zum Buch wird nie den Vorstellungen der Leser vollends gerecht werden. Das liegt zum einen daran, dass geschriebene Worte bei jedem andere Assoziationen sowie Vorstellungen wecken und zum anderen ist es nie möglich alle Einzelheiten eines Romans in das Zelluloidwerk zu übernehmen – sei es aus Zeit- oder Budgetgründen oder weil es an der Umsetzbarkeit scheitert.

    Meiner einer hatte mit solchen Problemen nicht zu kämpfen, da mir das Buch bisher noch nicht in die Finger geraten war. Das Lesen wird allerdings nach Genuss des Films nachgeholt, da ich auf die Worte neugierig geworden bin, welche die Gerüche und Düfte des Paris Mitte des 18. Jahrhunderts umschreiben.

    Einst war schon Al Pacino vom DUFT DER FRAUEN fasziniert und in der Lage über sie das Wesen der Holden zu ergründen. Ähnlich ergeht es Jean-Baptiste Grenouille (grandios Ben Whishaw) in DAS PARFUM. Der soziale Außenseiter, in ärmsten Verhältnissen geboren, von der Mutter verstoßen, im Heim und bei schwerster Kinderarbeit in einer Gerberei herangewachsen, ist nicht in der Lage sich anderen, speziell weiblichen Menschen auf normale Weise zu nähern oder zu erklären. Seine Welt sind von kleinauf die Gerüche und Düfte seiner Umgebung. Als junger Erwachsener erhält er die Chance, beim ehemals berühmten Parfümeur Baldini (Dustin Hoffman) die Kunst der Konservierung von Düften zu erlernen. Während dieser Zeit hat er auch seine erste schicksalhafte Begegnung mit einer Frau. Das Mirabellen-Mädchen (Karoline Herfurth) fasziniert ihn ob ihrer Schönheit, aber viel mehr noch ihres Duftes wegen. Doch leider stirbt sie durch die Kraft seiner Hände und ihr Geruch geht verloren. Von einer ägyptischen Legende, die ihm Baldini erzählt, angetrieben, will Grenouille das perfekte Parfum erschaffen. Es besteht aus 13 Essenzen („normale“ bestehen aus 12), die seines Erachtens nur von Frauen stammen können. Durch das Trauma des Todes vom Mirabellen-Mädchen gezeichnet, beginnt er einen Mordfeldzug in dessen Folge er bis auf eine alle Essenzen zusammen bekommt. Die 13. allerdings ist eine ganz besondere. Die eines adligen Mädchens namens Laura (Rachel Hurd-Wood), das seiner ersten „Liebe“ sehr ähnlich ist und deren Duft ihn betört. Doch seine Taten haben inzwischen für Aufsehen gesorgt und so hütet der allein erziehende Vater des Mädchens, der Kaufmann Richis (Alan Rickman), seine Tochter wie seinen Augapfel…

    Jean-Baptiste Grenouille ist eine wahrlich tragische Figur. In eine Welt hinein geboren, die ihn nicht haben will, ist er von Isolation, Naivität, Obsession und Emotionslosigkeit (abgesehen von Gefühlen im Zusammenhang mit Gerüchen und Düften) geprägt. Selbst geruchlos, und damit als „Nichts“ identifiziert, sucht er nach einer Möglichkeit ein „Jemand“ zu sein – das perfekte Parfum, der betörendste aller Düfte soll ihm das ermöglichen. Er ist eine Unglücksperson, denn alle, die er in seinem Leben verlässt (für ihn beginnt damit immer ein neuer Lebensabschnitt), sterben kurzum unter mysteriösen Umständen. Die Morde an den Jungfrauen aus reinem Egoismus aber machen ihn zu einer verabscheuungswürdigen Kreatur, die jedoch als bemitleidenswerter Charakter dennoch irgendwie Sympathien birgt. Ein ambivalentes Bild, das sich durch den gesamten Film zieht und nicht nur auf Grenouille, sondern auch viele der anderen Figuren und Orte anwendbar ist.

    DAS PARFUM ist allein durch diesen Charakter und die damit verbundene Welt der Gerüche sowie Düfte eigentlich ein perfektes Werkfür eine anspruchsvolle filmische Umsetzung. Dennoch war der Autor Patrick Süskind erst 20 Jahre nach Erscheinen seines Romans bereit, die Filmrechte an den etablierten Produzenten Bernd Eichinger zu verkaufen. Es dauerte dann aber noch weitere fünf Jahre, bis Ende 2005 schließlich mit dem Dreh unter der Regie von Tom Tykwer begonnen wurde. Patrick Süskind hatte für DAS PARFUM seinerzeit perfekt recherchiert. Die detaillierten Beschreibungen von Paris Mitte des 18. Jahrhunderts und der Parfümherstellung sollten natürlich auch im Film zum Tragen kommen. Die Akribie von Produzent und Regisseur erinnern nicht von ungefähr daher fast an die Obsessionen des Grenouille. Ausstattungstechnisch kann man deshalb keinerlei Kritik üben – so genau wurden die Epoche, Gesellschaft und die Kunst der Parfümerie sicherlich noch nie dargestellt. Teilweise wurde an Originalschauplätzen gedreht, etwa in Grasse, der Hauptstadt des Parfums. Andere Einstellungen, die vieler gut erhaltener Bauten aus der Epoche bedurften, wurden ersatzweise in Barcelona gedreht. Die realistische Kostümierung, teils bis zu 800 Komparsen und viele kleine Ausstattungsdetails sorgen für eine sehr authentische Zeichnung der Schauplätze des Romans.

    Dennoch gibt es Abweichungen, die Regisseur und Produzent im reichhaltigen Bonusmaterial erwähnen und bewusst in Kauf nehmen. So beginnt der Film mit einem Intro, dass in dieser Form im Buch nicht enthalten ist. Während dort mit der Geburt von Grenouille eingeleitet wird, gibt es hier einen Prolog, der die (zeitliche wesentlich spätere) Urteilsverkündung auf dem Marktplatz zum Inhalt hat. Dies sollte die Figur Grenouille in all seiner Düsternis einführen und vorgreifend auf das Geschehen einstimmen. Eine weitere Abweichung betrifft den Mord am Mirabellen-Mädchen. Im Film handelt es sich um eine Affekt-Handlung, praktisch um einen Unfall, während im Buch der Mord unter Vorsatz geschieht. Dies ist eine wichtige Abweichung, da sie das innere Zerwürfnis von Grenouille stärker in den Vordergrund rückt und ihn mehr zu einer tragischen Figur stilisiert als es im Roman der Fall ist. Noch ein wichtiger Unterschied sei der Humor, welcher im Buch noch deutlich bissiger und schwärzer ausfallen soll.

    Als Außenstehender, der den Roman nicht kennt, kann man aber auf jeden Fall zugestehen, dass DAS PARFUM ein extrem unterhaltsamer, dennoch sich für Figuren und Story Zeit nehmender Film ist, der ob seiner Ausstattung sowie Kameraarbeit (in Hinblick auf Stadtfotografie sowie das Einfangen der Gerüche und Düfte in der Bildsprache) fasziniert. Auch das Sujet hat seinen Reiz, da es verschiedene Genres verbindet. DAS PARFUM ist gleichsam Roadmovie durch den häufigen Wechsel der Orte, Thriller wegen der Morde und Drama im Zusammenhang mit der Hauptfigur. Ben Whishaw kann als Grenouille absolut überzeugen und gibt eine reichhaltige Facette seines Könnens ab. Topstars wie Leonardo DiCaprio oder Orlando Bloom, die vor Beginn der Dreharbeiten ebenfalls für die intensive Rolle in Frage kamen, könnte man sich dagegen nur schwerlich vorstellen. Altstars wie Dustin Hoffman oder Alan Rickman spielen ihre kleinen, jedoch wichtigen Parts ebenfalls mit Bravour, müssen sich aber der Präsenz von Whishaw geschlagen geben. Ein weiteres Highlight ist der Score, der für jede Figur, jedes Motiv und jeden Moment die passende, meist melodramatische Note findet.

    Einziger Schwachpunkt – zumindest aus Sicht des Rezensenten – ist das vorweggenommene Finale, welches auch im Buch nur geringfügig abweicht. Dieses lässt das Werk in eine poetisch-fantastische Welt abdriften, die so gar nicht zum bisherigen düsteren Thriller passen will und vielleicht zum Humor und der Ironie des Buches passt, hier aber doch etwas Fehl am Platze wirkt. Der eigentliche, letztendliche Schluss hingegen wird von der Dramatik her schon eher dem bisherigen Verlauf gerecht, hat aber auch noch eine zumindest zutiefst poetische, metaphorische Note.
    Etwas gewöhnungsbedürftig, wenngleich sicher notwendig, ist der Einsatz eines Erzählers, der immer wieder überleitende oder erweiternde Sätze einwirft. Im Deutschen fand man mit Otto Sander nach Meinung des Rezensenten die nicht ganz passende Besetzung dieser Sprechrolle – hier hätte man sich vielleicht eher einen Typ à la Sky Du Mont vorstellen können. Im Original übernahm John Hurt diesen Part und trifft damit die Stimmung des Werkes besser.

    Während man über den Film geteilter Meinung sein kann, lässt die Umsetzung auf dem digitalen Medium dies eigentlich kaum zu. Bild und Ton erreichen zwar keine Referenzwerte, werden aber gehobenen Ansprüchen auf jeden Fall gerecht. Beim Transfer stört eigentlich nur das deutliche Rauschen in Nachtszenen, bei der Soundfrage hat das Original die Nase aufgrund des besser passenden Erzählers John Hurt die Nase leicht vorn. Das Bonusmaterial gehört in Umfang sowie Qualität zur absoluten Oberklasse und bietet eigentlich alle Features sowie Informationen, die der DVD-Fan begehrt. Lediglich gelöschte Szenen, die im Making Of angedeutet werden, fehlen auf der ansonsten luxuriös ausgestatteten Doppeldisk.

    Die Premium Edition von DAS PARFUM gehört in punkto Technik und Ausstattung zu den bisherigen Highlights des Jahres.

    9 von 10 obsessiven Parfümeuren






    © DVD-Palace Home Entertainment




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