Ein Quickie von Danny Walch
Unsere Wertung: 
Die junge Edelprostituierte Ai hat sich auf Sadomasochismus spezialisiert. Sie bedient jeden Wunsch Ihrer Kunden und beobachtet, was die Männer dabei ihr und sich selbst zufügen. Dabei hofft sie auf ihrer Reise durch die perversen Triebe stets noch auf die große Liebe, die sie vor Jahren traf. Eine Wahrsagerin hat ihr vorhergesagt, dass sie ihren Geliebten eines Tages treffen wird. Dies hilft Ali, auch die größte Demütigung über sich ergehen zu lassen. Schließlich muss sie jedoch erkennen, dass der eingeschlagene Weg immer tiefer in einen Sumpf aus Drogen und Abhängigkeit führt.
Eigentlich sollten die Zeiten, in denen DVD-Transfers wie VHS-Rips aussehen, längst vorrüber sein, doch TOKYO DECADENCE belehrt uns eines besseren. Der immerhin anamorphe 1,85:1-Transfer ist brutal unscharf, voller Kompressionsklötze sowie -rauschen und blockhafter Farbverläufe. Die Töne selber sind halbwegs satt und natürlich, über Kontrast und Schwarzwert breiten wir aber mal lieber den Mantel des Schweigens. Immerhin können der deutsche und japanische Dolby-Digital-Track durch einen kräftigen Sound punkten, wobei ersterer etwas dumpf wirkt. Die deutsche Synchronisation ist nicht gerade von höchster Qualität und hört sich oftmals unfreiwillig komisch an. Immerhin gibt es deutsche Untertitel, so dass man sich ruhig den Originalton gönnen kann. Auf Bonusmaterial muss man aber verzichten.
Der Film von Regisseur Ryu Murakami (Drehbuch zu Takashi Miikes AUDITION) aus dem Jahr 1992 lockte laut Coveraufdruck 120.000 Zuschauer ins deutsche Kino. Falls diese Zahl stimmt, wurden die Zuschauer aber wohl nicht durch die durchaus interessante Story ins Kino gelockt, sondern durch die Aneinanderreihung von Sado-Maso-Sequenzen, welche die Handlung im Wesentlichen bestimmen und regelmäßig durch „normale“ Sequenzen ergänzt werden. Dabei ging es den Machern aber auch nicht unbedingt darum, möglichst explizite Hardcore-Szenen zu zeigen, sondern sie produzierten ein Psychodrama um eine Frau, die sich der bizarren Welt des SM-Milieus an die Hoffnung klammert, irgendwann ihren Traumprinzen zu finden und dem (im wahrsten Sinne des Wortes) Sklaventum zu entkommen. Für Freunde des gepflegten Erotikfilms ist TOKYO DECADENCE also auf alle Fälle eine Empfehlung wert, zumal der Film jetzt endlich die FSK ungeschnitten passieren konnte. |